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Der Botschafter ist eine Flasche - Edelschliff vereint Riesling und Edelstein und präsentiert so das Naheland

Das Naheland – eine Landschaft voller Poesie, Schönheit und ganz besonderer Schätze. Zum einen gilt es seit etwa 500 Jahren als ein internationales Zentrum des Edelsteinhandels. Für die zweite große Besonderheit sind die Römer verantwortlich: Sie begannen bereits im Mittelalter mit dem Weinanbau entlang der Nahe. Die beiden typischen Merkmale der Region vereint der Edelschliff.

Eine malerische Landschaft mit bizarren Felsvorsprüngen, auf denen historische Ritterburgen stehen: So kennen viele das Naheland. Doch Kenner wissen, dass es mehr zu bieten hat als wunderschöne Natur. Das Naheland  ist über seine Grenzen hinweg als Weinland bekannt und die Deutsche Edelsteinstraße, die rund um Idar-Oberstein verläuft, gilt als das Handels- und Dienstleistungszentrum für Edelsteine und Schmuck in Deutschland. 

Ein Botschafter in königsblau

Um ihre Heimat besser präsentieren zu können, beschlossen der Weinland Nahe e. V. und der Förderverein Deutsche Edelsteinstraße e. V. im Jahr 1999 gemeinsam einen Botschafter des Nahelands zu kreieren, der beiden Schätzen der Region gerecht werden sollte. „Die Idee, das Wertvollste, was die Nahe zu bieten hat, zu vereinen, lag einfach auf der Hand“, erzählt Wolfgang Eckes, seit Herbst 2006 Vorstandsvorsitzender des Weinland Nahe e. V. Der Nahelandbotschafter ist königsblau und hat acht Ecken. In ihm befindet sich ein fruchtiger Nahelandriesling und über seinem Etikett ist ein funkelnder Edelstein eingelassen.

Der Edelschliffwein wird jedes Jahr in einem Wettbewerb ermittelt. Die Teilnahmebedingungen für die Nahelandwinzer sind einfach. Jeder, der glaubt, einen potenziellen Botschafter seiner Heimat erzeugt zu haben, kann diesen bei der Jury des Weinland Nahe e. V. einreichen. Allerdings werden an die Weine hohe Ansprüche gestellt: Zunächst können nur Rieslinge teilnehmen. Tanja Schmitt, Geschäftsführerin des Weinland Nahe e. V., betont: „Der Riesling ist der König der Rebsorten und am besten geeignet für den Edelschliff. Außerdem ist er mit 25 Prozent der Anbaufläche die Hauptrebsorte an der Nahe.“ Der Riesling müsse die Qualität einer Auslese erreichen und ein Fasswein sein, da er erst nach der Wahl in die speziellen Flaschen abgefüllt werde.

Die Jury, die den Sieger bestimmt, setzt sich aus Weinfachleuten, Journalisten, Weingenießern, der Deutschen Edelsteinkönigin und den Weinmajestäten des Nahelandes zusammen. Um sicherzugehen, dass der spätere Siegerwein wirklich sämtliche Jurymitglieder überzeugt hat, geben diese ihre Bewertungen nach einer Blindverkostung ab. Zum diesjährigen Siegerwein wurde die Riesling Auslese Niederhäuser Rosenberg 2006 des Weinguts Mathern unter elf eingereichten Weinen gewählt. Im vorherigen Jahr machte die Riesling Auslese Norheimer Kirschheck vom Weingut Jakob Schneider das Rennen.

Steine mit Vielfalt

Im Gegensatz zum flüssigen Teil des Edelschliffs wird der jeweilige Edelstein nicht von einer Jury gewählt, sondern von einem Gremium bestimmt, das aus Mitgliedern des Fördervereins Deutsche Edelsteinstraße e. V. besteht. Ein ganz besonderes Augenmerk liegt auf dem optischen Gesamtbild. Karina Hoseus, Geschäftsführerin des Fördervereins Deutsche Edelsteinstraße e. V., erklärt: „Die Komposition wird nicht nur durch den Inhalt der Flasche, sondern auch durch die Verpackung zu einem hochkarätigen Produkt. Dabei soll die Vielfalt der Edelsteine zum Ausdruck gebracht werden.“

Von Nymphen und Talismanen

2007 ist der ausgewählte Edelstein ein blauer Chalcedon, im vorherigen Jahr war es ein Amethyst. Der Chalcedon gilt als Talisman und soll seinem Träger Schutz vor Schwäche, Melancholie und Hirngespinsten verleihen. Laut der biblischen Offenbarung des Johannes ist ein Chalcedon der dritte Grundstein des himmlischen Jerusalems, das nach der Apokalypse entstehen soll. Ein perfekter Ort, auf Edelsteinen errichtet, an dem Trauer, Klagen und Mühsal nicht existieren.

Dem violetten Amethyst wird nachgesagt, dass er seinen Träger immun gegen die berauschende Wirkung von Wein macht. Der Name dieses Gesteins stammt aus der römischen Mythologie. Es heißt, dass eine Nymphe mit dem Namen Amethyst in einen Kristall verwandelt wurde. Bacchus, der Gott des Weines, begoss diesen mit Wein, wodurch die violette Färbung des Gesteins entstand. Solche Geschichten über Edelsteine finden sich zuhauf und spiegeln – neben der Optik – die riesige Vielfalt der Edelsteine wider. 

Das deutsche Edelsteinzentrum

 Schon seit etwa 500 Jahren werden Edelsteine an der Deutschen Edelsteinstraße gefunden, bearbeitet und gehandelt. Die Mineralienvorkommen vor Ort sind zwar inzwischen stark zurückgegangen, doch der Handel floriert weiterhin. „Rohsteine aus 53 Ländern werden in den über 60 Betrieben an der Deutschen Edelsteinstraße noch heute geschliffen und in 120 Länder exportiert“, erzählt Frau Hoseus. Für Touristen ist die Deutsche Edelsteinstraße auf jeden Fall eine Reise wert: Viele Betriebe, darunter auch zwei wasserbetriebene Achatschleifereien, können besichtigt werden. Außerdem stehen viele Angebote von Schleif- bis zu Gravurkursen zur Verfügung.

 Ein Gruß von der Nahe

 Wer eine Flasche vom Edelschliff kaufen möchte, muss sich beeilen, denn der königsblaue Botschafter ist auf 1.000 Stück limitiert. Häufig überreichen Banken, Autohäuser, Behörden, Vereine und Weinmajestäten den Edelschliff bei offiziellen Anlässen als Gruß aus dem Naheland. „Tausend Flaschen sind da schnell weg. Meist sind wir schon im Dezember ausverkauft“, sagt Frau Schmitt. Interessenten erhalten den Edelschliff über die Touristinformation Deutsche Edelsteinstraße in Herrstein und über den Weinland Nahe e. V. in Bad Kreuznach. Er kostet 14,80 Euro. Wer möchte, kann sich auch die Sonderedition mit den Unterschriften der Deutschen Edelsteinkönigin und der Naheweinmajestäten für 19,80 Euro zulegen.

 Nicht nur Phönix steigt aus der Asche

Interessant ist, dass der Edelschliff zusammenführt, was ohnehin schon eng miteinander verbunden ist. Denn der Ursprung des für den Weinbau so günstigen Bodens und der Edelsteinvorkommen liegt im Vulkanismus des Nahelandes. Vor allem Achat, Amethyst und Jaspis entstanden im tiefen Erdreich bei extremen Temperaturen und unter enormem Druck und wurden durch die vulkanischen Aktivitäten an die Oberfläche befördert. Außerdem ist der Vulkanismus für die guten Böden verantwortlich, auf denen besonders fruchtige, würzige und gehaltvolle Weine wachsen. Bei Betrachtung der Bilderbuchlandschaft des Nahelands ist kaum vorstellbar, dass die Schönheit dieser Region zu einem großen Teil ein Produkt aus Feuer, glühender Lava und Asche ist.

09.05.2007 14:02 Alter: 12 Jahre